Ausstellung
Das Abenteuer von Pont Aven und Gauguin

 

Paris, Musée du Luxembourg
2. April – 22 . Juni 2003

 


Willumsen : Gehende bretonische Frauen 1890
©ADAGP, Paris, 2003

 

     Pont Aven ! Dieses kleine Dorf in der Südbretagne ist ein „sagenhafter Ort“ der Malerei, und manche fragen sich, ob er wirklich existiert.
Ja, er existiert, und das „Hôtel des Voyageurs“ (Hotel der Reisenden), wo ein Teil der Maler abstieg, ist jetzt seit langer Zeit ein Museum. Aber die Landschaft bleibt immer gleich, der Fluss und die Felsen, die Mühlen, die Ria; auch wenn das Leben und die Wirtschaft rundherum die wilden Hänge, auf deren Ödland die Stechginster blühte, verändert haben.

     Der Maler Turner war 1826 an der Küste vorbeigekommen, und der Reisende JF Brousmiche aus Brest schrieb 1831: „Der Fluss des Pont Aven, wenn man ihn bis zum Meer hinabfährt, zeigt eine Vielfältigkeit verschiedener Landschaftsbilder, die es verdienen, vom Pinsel eines Malers festgehalten zu werden.“ Um 1843 hinterlässt uns François Hyppolite Lalaisse, der zu Fuß für eine Serie von Lithographien die Bretagne entlang spaziert ist, welche in Nantes in der „Galerie armoricaine“ veröffentlicht wurden, ein charmantes Aquarell der Frauen von Pont Aven (http://www.1000questions.net/br/pa/) und eine Zeichnung der Mühlen in der Mitte der Felsen und der Wasserfälle.

     Um 1860 wird das große Abenteuer mit den „sieben Todsündern“ 1 anfangen: Robert Wylie, Charles Way, Earl Shinn, Benjamin Champney, Frederick Bridgman und Moses Wight, Amerikaner, denen unsere Pariser Kunstschule (école des Beaux Arts) die Aufnahme wegen Fremdartigkeit gerade verweigert hat. Zahlreiche andere Maler, Engländer, Franzosen werden Pont Aven zu ihrer Sommerresidenz machen, manchmal auch Winterresidenz. Man schätz die Zahl der Künstler in den achtziger Jahren über hundert. Die Amerikaner sind zahlreich genug, um den 4. Juli, Independance Day, zu feiern. Die Irländer, Niederländer und Skandinavier ergänzen die Kolonie der „Schönen Künste“.

     Gauguin kommt 1886 nach Pont Aven.2 Damals „ist Pont Aven nur noch ein riesiges Freiluftmalstudio... Wenn wir den Emigrationsort der Sardinen nicht genau kennen, kennen wir den Ort, wo diese Ölgemälde gestrandet sind, nicht weniger“ schreibt ein gewisser Courtois in einem Artikel des „Union de Quimperlé“ (zitiert von A. Cariou in seinem exzellenten Buch „die Maler von Pont Aven“, Verlag: Ouest France).

     Wir wissen, wo sie heute sind: in den bekanntesten Museen und bei den reichsten Kunstliebhaber! Gauguin kreiert mit Emile Bernard in Pont Aven „den Synthetismus“ (siehe Einrahmung oben), welcher auf den Impressionismus folgt, und von dem sich „die Nabis“ mit Sérusier, Bonnard, Maurice Denis, Ibels Ranson und Piot abzweigen.

 

Der Synthetismus nach Emile Bernard :

     « Eine Vorstellungsmalerei, gegenteilig zu der naturalistischen Malerei des Impressionismus, nicht als Widerspruch, aber als Ausdruck meiner geistigen Empfindungen ... Wie könnte man die Dinge darstellen? Meine Antwort erschien mir einfach. Da die Vorstellung die Form der Dinge ist, wie sie in der Phantasie Gestalt annehmen, musste man nicht vor dem Ding malen, sondern seinen Ausdruck in der Phantasie wiederfinden, die dessen Idee beibehielt...
     « Die Bedeutung oder Synthese zwang sich erstmals als Teil der Vorstellung auf; denn die Vorstellung behält nur das Wesentlichste der Sinneseindrücke und daraus folgend wird das Detail zurückgewiesen. ».
     « Das Gedächtnis behält nicht alles, aber das, was den Geist anspricht. Deshalb wurden Formen und Farben einfach, in gleichmäßiger Einheit dargestellt. Indem ich aus dem Gedächtnis malte, hatte ich den Vorteil, unnötige Komplikationen von Form- und Farbnuancen wegzulassen; Es blieb das Schema einer gesehenen Szene. ».
(E. Bernard, zitiert von A. Cariou in „die Maler von Pont Aven“, S. 56).

 

      Das Gemälde Bernards Bretoninnen auf der grünen Wiese war für Gauguin von grosser Bedeutung, welches er Van Gogh zeigte, der es kopierte. Für Sérusier war es der bekannte Talisman (im Musée d’Orsay), der Maurice Denis als als Reliquie gegeben wurde. Gauguin malt die Vision der Predigt oder der Kampf des Jakobs mit dem Engel, welches unglücklicherweise den Rektor von Nizon, dem er das Werk für seine Kirche geben wollte, ein wenig beängstigte.

      1898 findet „die Ausstellung im Café Volpini“ im Rahmen der Weltausstellung statt, in welcher die Pont Aven Maler nicht wie die Impressionisten offiziell zugelassen sind. Diese Ausstellung weiht die neue Schule unter dem Titel „impressionistische synthetistische Ausstellung“. Der Caféhausbesitzer hatte akzeptiert, die nicht angekommenen Dekorationen durch „synthetistische Bilder“ zu ersetzen.

     Die „Abenteuer-Ausstellung“ von Pont Aven und Gauguin in Musée du Luxembourg ist reich an Werken von Gauguin, natürlich in der Periode von Pont Aven und Le Pouldu, aber auch von Wylie, dem Vorgänger, Emile Bernard, Chamaillard, Henri C., G. Lacombe, E. Jourdan, Ch. Laval, Maxime Maufra, Meyer de Haan, Henry Moret, Roderic O’Conor, Schuffenecker, Armand Seguin, W. Slewinski, Jan Verkade und Willumsen.

     André Cariou, Direktor des Museums der Schönen Künste in Quimper und Pont Aven, Spezialist, ist der Leiter der Ausstellung, die vom 2. April bis zum 22. Juni in Paris stattgefunden hat.

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Wir bedanken uns bei dem Pressedienst des Museums für die uns so freundlich zur Verfügung gestellten Dokumente.

1 Todsünde
Siehe « Wer waren Adam und Eva, Kreation, Evolution, Todsünde » .

2 Um mehr über Pont Aven zu erfahren :
Siehe Pont Aven und Nizon .

 

Einige Gemälde der Ausstellung :

 

Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrössern

 

Um mehr darüber zu erfahren, Maler und Kunstmuseen :

- le Musée du Luxembourg : www.museeduluxembourg.fr ou les oeuvres
- ARTS D'ASIE Le Musée Guimet
- Wer sind die Kelten ?
- Pont Aven und Nizon, die Maler und die Literatur.
- Leonardo da Vinci, Zeichnungen und Manuskripte

 

 

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