Gut oder böse.
Kann ich nicht selbst entscheiden, was gut für mich ist?

Viele denken, daß ihnen niemand zu sagen hat, was gut und was böse ist, eben weil sie frei sind. Selbstverständlich akzeptiert man mehr oder weniger gewisse Regeln. Daß man nicht tötet oder ein Kind zum Bösen verführt, zum Beispiel, aber das ist lange nicht der Fall bei allen Dingen.
Es stimmt, daß der Mensch frei geschaffen ist und immer nach Freiheit strebt. Diese Freiheit übt er besonders in Entscheidungen und der Wahl von Möglichkeiten aus. Man kann sogar sagen, eine Handlung ist nur menschlich, wenn sie frei ist.
Aber oft wird unser Urteil durch Meinungen und Verhaltensweisen beeinflußt, die am weitesten verbreitet sind. Eine Meinung ist aber nicht deshalb wahr, nur weil sie von vielen Leuten vertreten wird. Oft spürt man auch, daß eine weit verbreitete Ansicht nicht richtig ist. Dieser innere Kompaß ist das Gewissen. Manchmal handeln wir, zwar widerwillig, sogar auf eine Weise, die wir im Grunde mißbilligen.

Gut und Böse sind nicht Erfindungen von Menschen. Es hängt nicht von unserer Meinung oder die der anderen ab, was gut und böse ist. Die vom Schöpfer erschaffene Welt hat eine Ordnung. Manche nennen sie das „Naturgesetz”. Dies drückt das Buch Genesis am Beginn der Bibel aus, wenn es von dem Gebot spricht, das Gott im Garten Eden gegeben hat: Du sollst nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse essen. Der Mensch hat dagegen verstoßen. Das ist die Erbsünde. Mit anderen Worten besteht die Erbsünde oder Ursünde (siehe auch Frage 31) im Versuch des Menschen, den Platz Gottes einzunehmen, um an seiner Stelle zu entscheiden, was Gut und was Böse ist.

Wenn wir aber weder das Gute noch das Böse erfinden, wie können wir es dann erkennen? Jeder Mensch hat etwas in sich, das wir Gewissen nennen. Es ist das verborgenste Zentrum der Person, das Heiligtum, in dem er mit Gott allein ist und seine Stimme hören kann. (1) Das Gewissen kann jedem Menschen helfen, sich zum Guten hin zu orientieren. Darum ist es notwendig, darauf zu hören. Man muß es auch bilden und formen durch Gewohnheiten, durch gute Handlungen, auch Tugenden genannt. Christen nehmen die Bibel als Grundlage und vertrauen auf die Leitung des Geistes Gottes im Gebet. „Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz”, heißt es beim Propheten Jeremia im 31. Kapitel. Schließlich hilft die Kirche, das Gute vom Bösen im Lichte Christi zu unterscheiden, denn sie hat von Jesus selbst den Auftrag erhalten, sein Evangelium zu bewahren.


Anmerkung (1): Zweites Vatikanisches Konzil, die Kirche in der Welt von heute §16