Heiraten, was bringt das?

Manche sagen: „Meine Ehe geht nur mich etwas an, sonst niemand.” An dieser Aussage ist etwas Wahres dran: Ehe ist zunächst und dem Wesen nach die Verbindung eines Mannes und einer Frau, die zueinander Ja sagen, die einen Bund schließen. Christus meint nichts anderes, wenn er sagt: „Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.“ Aber es gilt auch, daß jede Ehe weitergehende Konsequenzen hat, denn jedes Paar ist Teil unserer Gesellschaft und diese baut auf die Lebensform der Ehe auf. Daher sind Aspekte, die die ganze Gesellschaft betreffen, auch gesetzlich geregelt. Dazu gehören Fragen, wie die Kinder heißen sollen, wer sie erziehen darf und auch Steuervorteile für die Familie.

Ein Paar, eine Familie profitiert von diesem sozialen Status, der ihm Anerkennung verleiht, seine Rechte garantiert und die Beziehung mit der übrigen Gesellschaft erleichtert. Dadurch soll eine Ehe oder Familie gegen sozialen und familiären Druck geschützt werden, der ihre Freiheit und Lebensgestaltung einschränken könnte.

Ziel ist es, einen Ausgleich zu finden zwischen der berechtigten Selbständigkeit des Paares und der Notwendigkeit, einer gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung, die auch gewisse Verpflichtungen mit sich bringt.

Standesamtliche Trauung

In vielen Ländern kann die kirchliche Heirat die rechtliche Eheschließung gleichzeitig bewirken. In Deutschland und Österreich dagegen hat eine kirchliche Eheschließung keine rechtlichen Konsequenzen. Ja, das Gesetz erlaubt die kirchliche Eheschließung nur dann, wenn eine zivilrechtliche Trauung vor dem Standesbeamten vorausgegangen ist.

Eine nur zivile Eheschließung bezeugt schon eine gegenseitige Verpflichtung, denn wie in anderen Bereichen auch hat ein Versprechen vor Zeugen viel mehr Gewicht, als nur unter vier Augen.

Kirchliche Trauung

Im Sinne der Botschaft Jesu verlangt die Kirche, daß getaufte Katholiken kirchlich (1) heiraten, das heißt, sie sagen bewußt vor Gott für immer Ja zueinander. Durch ihr Ja vor Gott empfangen Mann und Frau eine besondere Gabe, eine Gnade, die dazu dient, ihre Liebe zu vermehren und ihnen in den verschiedenen Bereichen des Familienlebens zu helfen. Dieses Ehesakrament befähigt, die Liebe zu erneuern, indem das Paar aus der Liebe Gottes schöpft (siehe Frage 13). Das Evangelium (Joh.2,1-11) erzählt, daß Jesus sein erstes Wunder bei einer Hochzeit wirkte. Er verwandelte Wasser in Wein zu einem Zeitpunkt, als das Fest beinahe zu mißlingen drohte. Dieses Bild hilft, das Sakrament der Ehe besser zu verstehen. Jesus will das Wasser der menschlichen Ehe mit all ihren Gegebenheiten in Wein verwandeln. Er will, daß das Fest gelingt und die Freude nicht endet. Die eheliche Liebe soll wachsen und durch nichts zerstört werden. Ja, die Liebe soll anhalten bis nach dem Tod in der Herrlichkeit Gottes.


Anmerkung (1): Die kirchliche Trauung ist normalerweise öffentlich. Sie kann aber auch aus einem „schwerwiegenden und dringenden” Grund, mit einer besonderen Erlaubnis gefeiert werden.