Warum das Leid, wenn Gott doch gut ist?

Eines Tages wird jeder mit einem Leid konfrontiert, sei es in seiner Umgebung oder am eigenen Leib. Es zerreißt das Herz. Alles bricht zusammen. Die Frage bricht auf: Warum, warum ich? Was habe ich denn Schlimmes getan? Man wird ganz niedergeschlagen oder voller Rebellion und wendet sich von Gott ab.

Diese Reaktion ist völlig normal und menschlich, denn der Mensch ist nicht für das Leid geschaffen. Das Leid offenbart unsere innere Sehnsucht nach dem Glück. Das wird gerade dann deutlich, wenn es uns aus der Behaglichkeit reißt und einen Schnitt durch unser Herz zieht. Das Leid rührt letztlich an das tiefste Geheimnis in uns, denn es erinnert daran, daß wir für das Glück geschaffen sind, von dem wir jetzt fern sind. Das Leid erscheint uns wie ein Mangel.

Deshalb können wir es zunächst nicht annehmen, denn es ist in sich nicht annehmbar. Es macht Angst und wir weisen es zurück, weil wir für das Leben geschaffen sind. Aber trotz allem, das wir konkret tun können, bleiben wir hilflos und zwar deshalb, weil mein Leid und das der anderen ein inneres Geheimnis berührt. Es ist in mir und übersteigt mich gleichzeitig. Es ist das Geheimnis des Menschen, das Geheimnis des Bösen und seiner Wurzeln in der Menschheitsgeschichte und in der Seele des Menschen.

Also stellen wir letztlich Gott die Frage nach dem Warum. Gott, dem Schöpfer und Herrn der Welt. Die Versuchung ist groß, ihn zum Urheber des Bösen zu machen. „Wenn Gott gut wäre, würde er das nicht zulassen und nicht so handeln”, ist ein naheliegender Gedanke.

Vielleicht können wir manches bei dem entdecken, der uns von dem Bösen erlöst hat. „Kommt zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele” (Mt 11,28). Das ist eines der Worte von Jesus Christus, von dem es in der Bibel heißt: „Er hat unsere Leiden getragen” (Jes 53,4). Unschuldig wurde er verurteilt, damit wir „in seinen Wunden Heilung finden” (Jes.53,5).

Was zeigt uns sein Leben? Was wird im Evangelium über ihn gesagt? Nicht ein Richtergott kommt zu uns, sondern ein demütiger Gott, ein „leidender Gottesknecht”, der sich das ganze Dasein des Menschen zu eigen macht, das Leid eingeschlossen, um uns zu helfen es zu tragen und uns zu trösten.

Der französische Schriftsteller Paul Claudel sagt: „Gott ist nicht gekommen, um das Leid abzuschaffen, auch nicht, um es zu erklären, sondern um es mit seiner Gegenwart zu erfüllen.“ Und das gilt bis in die Tiefen des Leids.

Christus geht noch weiter: Er opfert sein Leiden auf zu unserem Heil und öffnet damit den Weg zum Leben. Und er lädt uns ein, von ihm zu lernen. Wie eine 18 jährige Diabetikerin die sagt: „Jesus liebt uns und gibt uns Anteil an seiner Mission, nämlich alle Menschen zum Vater zu führen. Es macht doch Freude, an einer Mission teilzuhaben, deren Leiter Gott ist.”