Kann man sich durch sexuelle Beziehungen vor der Ehe besser kennenlernen?

Wäre die körperliche Liebe nur eine technische Angelegenheit, so wären frühe sexuelle Erfahrungen naheliegend. Sexualität ist jedoch mehr. Das Gelingen einer sexuellen Beziehung hängt nicht von einer Technik ab, sondern von der Qualität der Liebe und der Beziehung. Man muß lernen zu lieben und nicht, wie man miteinander schläft oder die „Liebe macht”. Der Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist weit davon entfernt, auf die „Liebe als Hingabe” vorzubereiten und kann ganz im Gegenteil beide Partner verletzen.

Es stimmt, daß sexuelle Beziehungen die Entwicklung einer Beziehung beschleunigen, weil sie sehr schnell das Verlangen nach einem gemeinsamen Leben hervorrufen. Danach ist es viel aber schwieriger, die Wahl des Partners wieder in Frage zu stellen und eventuell eine Beziehung abzubrechen. Es kommt auch vor, daß der verfrühte Geschlechtsverkehr das Paar hindert, seine Zärtlichkeit auszudrücken und sich wirklich zu begegnen. Die Sprache des Körpers ersetzt sehr schnell den tiefen Dialog. Weil es noch keine Verpflichtung wie in der Ehe gibt, kann man auch Angst bekommen, sich jemandem zu schenken, der sich nicht ganz für mich verpflichtet oder der nicht im Stande sein wird, eventuell ein Kind zu akzeptieren.

schheit, wenn man vor der Ehe keine sexuellen Beziehungen hat. Die Keuschheit, die ein tiefes Gespür für die Würde des Menschen offenbart, ist auch Ausdruck des Respekts vor dem Nächsten in seinem Anderssein und seinem Recht, er selbst zu sein. Sie ist ein Verzicht an jeden Gedanken, über den anderen Macht auszuüben und das Warten auf seine notwendige Zustimmung. Keuschheit bedeutet auch Durchsichtigkeit, weil sie den Leib als Zeichen annimmt, nicht als ein zweideutiges, sondern als eines der reinen Liebe.

Schließlich ist die Keuschheit ein Vorbehalt für die Totalität des Schenkens: Die Frau, die sich ganz dem Ehepartner geschenkt hat, ist keusch. Der junge Mann, der sich bewahrt für diejenige, der er sich ganz schenken wird, ist keusch. Die Jungfräulichkeit ist sicher kein Wert, der hoch im Kurs steht. Sie ist dennoch eine Tugend, die viele gern besitzen würden, wenn sie eines Tages „die Liebe ihres Lebens” entdecken. Die Keuschheit ist echter Antrieb zu einer Liebe, die sich ganz geben will in großem Respekt vor dem Nächsten.

Deshalb ist und bleibt die Keuschheit eine moderne Tugend.